Ohne mich groß mit der Politik auseinander setzen zu wollen, sollte der Reisende zwei Dinge wissen, mit denen er ab und zu konfrontiert wird:

Das Eine ist die Abgrenzung zu Russland. Nach der Jahrhunderte langen gemeinsamen Geschichte mit Russland wird versucht, die Unterschiede herauszuheben. Das äußert sich in der Umgangssprache und in unterschiedlichen Namen und Ortsbezeichnungen im Gegensatz zu sowjetischen Zeiten. Von eindeutigen Ukrainern wie dem Nationaldichter Taras Sevcenko gibt es Denkmäler an Orten, mit denen sie überhaupt nichts zu tun hatten, z.B. in Lemberg. Und da, wo es möglich ist, gibt es eine geschichtliche Abgrenzung nach dem Motto "böse Russen – gute Ukrainer" wie beim Hungerdenkmal in Kiew.

Das Andere ist die konfessionelle Spaltung. Im Wesentlichen gibt es folgende Kirchen:
- katholische Kirche
- unierte Kirche: orthodoxer Ritus, jedoch dem Papst unterstellt
- ukrainisch-orthodoxe Kirche, die dem Patriarchen in Moskau unterstellt ist
- ukrainisch-unabhängige Kirche, die dem Patriarchen in Kiew unterstellt ist (von dieser Kirche hat sich eine weitere Kirche abgespalten)

Man kann sich vorstellen, dass sich diese Kirchen untereinander spinnefeind sind; das geht bis hin zu Massenschlägereien.

Wir hatten eine organisierte Studienreise, waren wohlbehütet und hatten keinerlei Probleme.

Außer in Kamenez-Podilsky, wo wir keine deutschen oder englischen Übersetzungen vorfanden, gab es keine Probleme mit dem Essen. Auch nicht als Vegetarier, obwohl ich nun wahrlich nicht die Hand ins Feuer legen möchte für die gesamte ukrainischen Gastronomie.

Richtig holprig waren die Straßen nicht, sehr gut aber auch nicht immer. Wer mit dem Auto im Lande rumkurven will, sollte das wissen.

Außer im Innenbereich der Sophienkathedrale und im Höhlenkloster (beide in Kiew) konnte beliebig fotografiert werden.

Außerhalb der touristischen Zentren sollte man in Bezug auf Hotels nicht wählerisch sein. Wir hatten so eines auf der Strecke zwischen Czernowitz und Odessa in Vinnitsia. Für eine Nacht in Ordnung, länger muss aber auch nicht sein.

Wer Postkarten kaufen möchte, sollte sich rechtzeitig erkundigen, wo er die bekommen kann. Auf offener Straße haben wir keine gesehen.

Begeistert waren wir von den Restauratoren und den schön hergerichteten Innenstädten (auch in eher kleineren Städten wie Brody oder Ivano-Frankivsk).

Beliebte Mitbringsel sind Krimsekt (der schmeckt besser als der nach Deutschland exportierte) und Kaviar (obwohl ich es nicht gut finde, Fischen den Bauch aufzuschlitzen).

Meistens waren die "Dienstleister" freundlich. Das ist aber nicht immer so. Es gibt so einen Typ "ukrainische Domina", der sein eigenes kleines Herrschaftsgebiet hat und einem das spüren lässt. Da ist die Bedienung im Restaurant mal mürrisch, wehe, man geht im Museum einen halben Schritt zu weit vor das Objekt … Gerne wird die eigene Frustration an Frauen ausgelassen. Bei der Einreise am Kiewer Flughafen hat die entsprechende Dame mit meiner Freundin einen kleinen Streit angefangen und wollte unbedingt wissen, mit welchem Schiff (!) sie denn gekommen sei. Mit anderen Frauen hat sie auch rumgezackert, mit Männern nicht.

Viele junge Frauen sind ausgesprochen sexy gekleidet, z.B. gibt es viele Miniröcke zu sehen. Auffallend ist auch, dass etliche junge Männer in Trainingsklamotten rum laufen, bevorzugt von "adidas", um ihre Sportlichkeit zu unterstreichen.

Das waren die Sachen, die wir selbst beobachten konnten. Anbei noch ein paar Informationen, die entweder von unserem glaubwürdigen Reiseleiter stammen oder von mir selbst recherchiert wurden:

Es gibt eine hohe Scheidungsrate mit der Konsequenz, dass viele Kinder von ihren Großmüttern erzogen werden. Die Jungs werden dabei so verhätschelt, dass sie meinen, etwas Besseres zu sein und ihre späteren Frauen entsprechend behandeln.

Es gibt so gut wie keine soziale Sicherung. Wer eine Operation braucht und das dafür notwendige Geld nicht aufbringen kann, hat Pech gehabt.

Auch die Kirchen machen so gut wie nichts im sozialen Bereich (wie im gesamten osteuropäischen Raum).

Nach der "Orangenen Revolution" im Jahr 2004 waren alle ukrainischen Reiseleiterinnen (in jeder größeren Stadt hatten wir eine jeweils angenehme ukrainische Begleitung) begeistert, heute nicht mehr. Laut unserem Reiseleiter wurde "nichts, aber auch gar nichts" von den Versprechen gehalten. Resultat ist ein Desinteresse an Politik von vielen Leuten.

In der Ukraine gab es nach der "Orangenen Revolution" Stimmen, in die NATO zu wollen. Ich hoffe, dass diese Scherzbolde sich mittlerweile eines Besseren besonnen haben. Schon allein des Bevölkerungsanteils der Russen auf der Krim und im Osten des Landes wegen würde es dann knallen. Unabhängig davon, wie sich der Staat Russland verhalten würde.

Man kann davon ausgehen, dass die Ukraine ein korruptes Land ist. Bei "transparency international" steht sie auf dem Ranking im Jahr 2011 auf dem letzten Platz in Europa und weltweit auf Platz 152. Es gruselt einem schon, wenn man liest, wer alles vor der Ukraine steht …

Das sollte jetzt niemanden davon abhalten, in die Ukraine zu reisen. Die Krim sowie die Städte Odessa, Kiew, Lemberg und Czernowitz sind alle eine Reise wert und ich hoffe, dass ich mit meinen Berichten den Einen oder Anderen auf den Geschmack gebracht habe.