Für viele mag Kuba ein Traumland sein. Bei jemandem wie mir, der mit Strandleben nicht viel anfangen kann, kubanische Musik zwar ganz nett findet, davon aber nicht zur Ekstase getrieben wird, genau so wenig wie von real existierendem Sozialismus, relativiert sich die Begeisterung.

Das Interesse an Kuba kam vor allem durch einen Aufenthalt in Florida. An mehreren Stellen hatten wir vor allem Plakate von Exil-Kubanern gesehen, nach denen Kuba „befreit“ werden müsse. Der etwas martialische Ton deutete darauf hin, dass nach der „Befreiung“ einiges platt gemacht werden würde.

Bevor dies geschieht, wollten wir uns dann aber doch noch den bisherigen Zustand anschauen. Eine organisierte Wanderstudienreise schien uns der beste Weg dafür zu sein. Kurz vor Antritt der Reise musste meine Freundin wg. gesundheitlichen Problemen absagen und so war ich gezwungen, alleine ohne sie zu fahren.

Die Reise fand im Februar 2005 statt. Seitdem dürfte sich das Eine oder Andere geändert haben. Die geschilderten Eindrücke sind deshalb nur eine Momentaufnahme. Auch hatte ich damals nicht die Absicht, einen Reisebericht über diese Reise zu schreiben und hatte mir entsprechend keine Notizen gemacht. Ich erinnere mich nicht mehr an jeden kleinen Ort und als Nicht-Botaniker weiss ich heute auch nicht mehr die Namen der verschiedenen Pflanzen und Bäume. Der Leser möge mir das verzeihen.

Havanna

Bei der Ankunft in Havanna gab es mehrere Eindrücke:

- anscheinend hängt es von der politischen Großwetterlage ab, ob Flugzeuge US-Hoheitsgebiet überfliegen dürfen oder nicht. Wir hatten Pech und hatten so etwa eine Stunde Verspätung

- es gab kein Visum für Kuba, sondern eine Touristenkarte. Das hängt damit zusammen, dass die USA ziemliche Schwierigkeiten machen würden, wenn einer dort einreisen will und einen kubanischen Stempel in seinem Pass hätte. Das wissen die Kubaner und damit überhaupt Leute in ihr Land kommen, haben sie auf diese Lösung zurück gegriffen

- Geldumtausch war in „Peso Convertible“, eine Art Parallel-Währung des Landes. Neben dem „normalen“ Peso gab es diesen konvertiblen Peso, der an den US-Dollar gekoppelt war und einen deutlich höheren Wert hatte als der „normale“. Es gab Geschäfte, in denen Importwaren nur damit bezahlt werden konnten (wie die „Intershops“ in der DDR) und exportierende Staatsfirmen zahlten bei guten Geschäften einen Teil des Jahres-Endlohns in Peso Convertible aus

- ich wurde halb von der schwülen Luft erschlagen – das war aber auch das einzige Mal. Ansonsten war warmes, schönes Wetter mit für einen Mitteleuropäer normalen Luftfeuchtigkeit

Hotel war das „Habana Libre“, das nach der Revolution 1960 für kurze Zeit Hauptquartier für Fidel Castro und seine Leute war.

Erste Station war die Festung El Morro, die im 17. Jahrhundert fertig gestellt wurde und einen schönen Blick auf die Stadt bietet.

Dann sind wir in der Innenstadt und im „Palacio de los Capitanes Generales“. Früher Präsidenten-Palast und Rathaus, heute Stadtmuseum.

Die Altstadt bot ein schaurig-schönes Bild mit verfallenden Prachthäusern. Die Reiseleiterin erzählte uns, dass im Gegensatz zu anderen sozialistischen Ländern die Hauptstadt bewusst nicht besser gestellt sein sollte als die Provinz und es deshalb zum Verfall der Bauten kam. Immerhin wird ein Anteil des Gewinns aus dem Tourismus in die Sanierung der Altstadt von Havanna gesteckt.

Einigen wenigen Häusern war das anzusehen. Hier ist eines davon. Mittlerweile dürfte die Sanierung der Altstadt deutlich fortgeschritten sein.

Zur Mittagszeit hatten wir freie Zeit in der Gegend um den Kathedral-Platz. Es gab in den dortigen Cafés viele Touristen, die einen Tagesausflug von den Stränden bei Varadero nach Havanna gebucht hatten.

Im Rum-Museum von „Havana Club“ trafen wir uns wieder und bekamen alles über Rum erklärt und durften so viel Rum trinken, wie wir wollten. Zumindest diejenigen, die das gerne tun.

Nach der Besichtigung des Kapitols, an dessen Stufen ein anscheinend berühmter Fotograf seine Bilder machte, ging es zum Abendessen. Wie meistens mit sehr guter musikalischer Begleitung. Nach dem Essen ging es mit dem Bus ins Hotel. Wer wollte, konnte noch in der Altstadt rumstromern. Wg. Sicherheit konnte unsere Reiseleiterin Entwarnung geben: sie ist in Havanna schon öfter allein in der Nacht unterwegs gewesen und hatte nie das Gefühl, unsicher zu sein.

Der nächste Tag startete am Revolutionsplatz, an dem die großen Massenaufmärsche statt finden und Fidel Castro seine berüchtigten oft mehrere Stunden langen Reden hielt. Das große Wandbild von Che Guevara hängt seit seinem Tod an der Wand des Innenministeriums.

Der Kolumbus-Friedhof dürfte mit ca. 800.000Gräbern und 100.000 Grabstätten einer der größten und schönsten Friedhöfe Lateinamerikas sein. Hier ein paar Eindrücke davon.


Soroa


Dann geht’s Richtung Westen. Auf einem Rastplatz mache ich ein Foto von einem älteren Vehikel, von denen es in Kuba mehr gibt, als ich mir gedacht hätte.



In einem Orchideengarten kommen die Orchideen-Fans so richtig auf ihre Kosten. Diese bitte ich um Entschuldigung für meine etwas einfachere Foto-Ausrüstung.



Nach Bezug der einfacheren Bungalows bei Soroa machten wir noch eine Wanderung. Es ging einen Hügel hoch, bei dem wir an einem Wasserfall vorbei kamen und oben angekommen, eine schöne Aussicht hatten.



Die vorgeschriebene Begleiterin der kubanischen Reiseagentur war bei der Wanderung nicht mit dabei und so konnte die deutsche Reiseleiterin mit uns „Klartext“ reden. War aber nichts Besonderes. Drehte sich hauptsächlich um Privatisierungs-Maßnahmen der Regierung, um die Versorgung der Bevölkerung hauptsächlich mit Lebensmitteln zu verbessern.


Je mehr privates Eigentum, desto besser die Versorgung der Bevölkerung. Dafür aber gibt es umso mehr Schwarzhandel und die zu mehr oder weniger bescheidenem Reichtum Gekommenem werden etwas überheblich und lassen dies die anderen spüren. Was politisch nicht gewollt ist. Seit einigen Jahren rudert die Regierung mal vor, mal wieder zurück.


Die kubanische Reisebegleitung war übrigens hilfreich und völlig problemlos. Der Typ „Aufpasser“ war sie nicht.


Auf dem Wanderweg war so einer, der sich ein kleines Zubrot verdient hat, indem er durstigen Touristen Kokosmilch verkauft hat. Wahrscheinlich waren wir die einzigen an dem Tag; das Geschäft dürfte sich für ihn aber trotzdem gelohnt haben.


 

Tal von Vinales


Im Tal von Vinales soll es den besten Tabak der Welt geben. Von einem Aussichtspunkt haben wir einen schönen Überblick.



Dann geht die Wanderung los.



Ab und zu kommen wir an kleinen Gehöften vorbei. An zwei Höfen kocht jeweils eine Frau. Unsere Reisebegleiterin erklärt uns, was da alles verwendet wird und wir dürfen vom Essen kosten. Auf unseren Wanderungen sind wir immer wieder Einheimischen begegnet, die alle sehr unkompliziert waren. Und da die meisten Kubaner gerne reden, freuen sie sich über etwas Abwechslung und sind einem gerne behilflich.


 

Und weiter geht’s.

 

 

Ziel ist ein riesiges Wandbild, das auf einer Kalkanhöhe von Schülern Diego Riveras geschaffen wurde und die Evolution darstellen soll. Und ab und zu mal frisch gestrichen wird. Dann erst mal Pause.

 

 

Wanderung + Kaffee

Zur Wanderung am nächsten Tag konnten wir den Bus nicht verwenden, da die Straße in den Bergen nicht optimal bzw. der Bus dafür zu lang war. Auf unseren „Zubringer“ mussten wir in der Stadt (wahrscheinlich Soroa) noch etwas warten und so machten wir ein paar Fotos.  Ein Musikant hat uns gesehen, trommelte seine Kumpels herbei und sie machten für uns Musik.

Öffentlicher Nahverkehr auf dem flachen Land sieht so wie auf den beiden Bildern aus: keine Busse, sondern LKWs. Wenn LKWs nicht im „Linienverkehr“ unterwegs sind, sondern von einem Ort zum anderen, müssen sie die Wartenden neben der Straße mit nehmen. Das konnten wir mehrfach beobachten und scheint gut zu klappen.

Unser „Zubringer“ hat so ähnlich ausgesehen, war allerdings ausschließlich für uns reserviert. So saßen wir auf der Ladepritsche und wurden zu unserer Wanderung mit einer lokalen Führerin gefahren. 

Nach der Wanderung ging’s in ein Dorf, wo sich uns ein Künstler-Kollektiv vorstellte (das ich allerdings nicht so prickelnd fand) und bei einer privaten Kaffee-Kooperative bekamen wir Kaffee aufgetischt.

Und hatten danach etwas Freizeit. Ich bin etwas durch das Dorf gestromert, wo ich ein paar Kinder sah. Diese und alle anderen Kinder, die ich in Kuba gesehen habe, waren allesamt neugierig, aufgeweckt und freundlich. In anderen Ländern habe ich das auch schon anders erlebt. Von Kindern wurden wir übrigens an keiner Stelle angebettelt.

Zurück in Havanna

Und dann waren wir wieder in Havanna. Gleiches Hotel, aber größeres und schöneres Zimmer, das ein paar Stockwerke weiter oben lag und von dem aus ich einen sehr schönen Blick auf die Stadt hatte.

Wir gingen durch die Stadt und konnten in der Eisdiele „Coppelia“ ein Eis essen. Die „Coppelia“ spielt im sehenswerten Film „Erdbeer und Schokolade“ eine Rolle. Für Liebhaber des Films eine tolle Sache. War auch gut und schön, aber so überragend jetzt auch wieder nicht.

Wer wollte, konnte vom Hotel aus einen Platz im „Tropicana“ buchen. Das wollten aber nicht viele und die Wenigen nahmen sich ein Taxi um dorthin zu kommen.

Laut Reiseführer ist das „Tropicana“ „sicherlich das berühmteste Open-Air.Kabarett der Welt wegen seiner schönen Aufmachung, seiner charmanten Tänzerinnen und Tänzer und seiner spektakulären Bühnendekoration. Die tropische Atmosphäre wird durch die exotische Vegetation mit ihren 50 Jahren alten Bäumen hervorgerufen. Die wohl 150 Akteure begeistern durch ihre temperamentvollen, geschmeidigen Bewegungen, von den heißen Rhythmen angefeuert.“

Auch hier: gut und schön; konnte mich aber nicht in Ekstase versetzen.

Am gestrigen Nachmittag auf der Fahrt zum Hotel sind wir an der etwas abseits gelegenen Ständigen Vertretung der USA vorbei gefahren (es gibt keine offizielle Botschaft der USA, da es keine diplomatischen Beziehungen zu Kuba unterhält).

Ich hatte gedacht, ich sehe nicht recht: gegenüber dieser Ständigen Vertretung waren etwas, na ja, provokante Plakatwände aufgestellt. Während die Regierungen in Europa den USA gegenüber sich nicht trauen, irgend etwas zu sagen, zeigen die Kubaner den USA den Stinkefinger. Einfach göttlich.

Am nächsten Morgen stand ich extra früh auf und nahm mir ein Taxi dort hin. Und hier ist das Ergebnis:

Wieder zurück, ging es mit der Gruppe zu einer Zigarrenfabrik. Fotografieren war leider verboten.  Überraschenderweise boten uns mehrere Leute offen Zigarren „schwarz“ an. Ich habe darauf verzichtet und als Mitbringsel ein paar Zigarren offiziell gekauft.

Das war’s dann aber mit Havanna und es ging bzw. fuhr weiter Richtung Süden.