Wenigstens mal eine Stadt auf unserer Rumänien-Tour, die ich dem Namen nach schon vorher kannte. Ein Besuch in einer in vielerlei Hinsicht spannenden Stadt.

Neben Temesvar und der Hauptstadt Bukarest zählt Cluj (ungarisch: Kolozsvar, deutsch: Klausenburg) zu den „In“-Städten Rumäniens und ist für die Ungarisch sprechende Bevölkerung der kulturelle Mittelpunkt. Von 1790 bis 1848 war Cluj die Hauptstadt des habsburgischen Siebenbürgen und kam 1867 zum ungarischen Teil der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Nach Ende des 1. Weltkriegs erfolgte das ungarische Trauma schlechthin, in dem unter anderem Siebenbürgen mit Cluj an Rumänien abgetreten werden musste. Auf deutschen Druck hin musste Rumänien 1940 das nördliche Siebenbürgen mit Cluj an Ungarn abtreten, das nach dem 2. Weltkrieg wieder zu Rumänien kam.

Seit 1974 heisst die Stadt offiziell Cluj-Napoca. Und damit sind wir mitten drin in den rumänisch-ungarischen Streitigkeiten. Napoca war eine Siedlung aus der Dakerzeit. Der neue Name hat nichts mit Geschichte zu tun, sondern ist eine politische Aussage, die sich auf die „dako-rumänische Kontinuitätstheorie“ bezieht. Die besagt nämlich, dass sich Daker und Römer vermischt hätten und daraus die Rumänen entstanden. So sehen sich die Rumänen und bislang ist das auch kein Problem. Nach dem Einfall der Hunnen im 4. Jahrhundert hat sich diese Bevölkerung aus den Städten in die Wälder und Gebirge zurückgezogen und haben als Bauern und Wanderhirten überlebt. Anders ausgedrückt: Die Rumänen waren schon immer da. Dies ist die offizielle rumänische Position, die auch in den Schulen gelehrt wird. Dem gegenüber steht die ungarische Position, die besagt, als sie in das Gebiet kamen (hauptsächlich nach Siebenbürgen), haben sie verwaiste Städte und ein menschenleeres Land vorgefunden. Anders ausgedrückt: dies ist ungarisches Land. Für einen Außenstehenden hört sich die ungarische Position um einiges rationaler an. Allerdings sind das „alte Geschichten“ – Ungarn war im 1. Weltkrieg auf der Seite der Verlierer und die Mehrheit der Bevölkerung in Siebenbürgen stellten, wenn auch knapp, die Rumänen. Anbei habe ich noch den Link zu Wikipedia mit der etwas hanebüchenen Kontinuitätstheorie: http://de.wikipedia.org/wiki/Dako-romanische_Kontinuit%C3%A4tstheorie

 

 

Wenn es darum geht, zu demonstrieren, dass Siebenbürgen ein Teil Rumäniens ist, darf einer nicht fehlen: Mihai Viteazul.

Seit Jahrzehnten wird der Film „Mihai Viteazul“ am rumänischen Nationalfeiertag im rumänischen Fernsehen gezeigt. Für das Verständnis Rumäniens ist es ganz gut, diesen Film zu kennen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Mit türkischer Hilfe wird Mihai Viteazul (1558-1601) Fürst der Walachei, wendet sich aber schnell gegen die Türken. Die versprochene Hilfe vom ungarischen Fürstentum Siebenbürgen und vom Kaiser in Prag bleiben aus und so müssen die Walachen allein gegen die viel stärkeren Türken kämpfen und besiegen sie sogar. Danach kommt es im westlichen Lager zu wechselnden Koalitionen: mal miteinander, mal gegeneinander, mal mit Mihai, mal mit den Türken. Bis zum Schluss, als Mihai von den eigentlich verbündeten Habsburgern umgebracht wird.

Es gibt zwei Konstanten: Mihai und den ehrlichen türkischen Feind. Die Türken werden nicht als unsympathisch dargestellt. Sehr wohl aber der Kaiser und die ungarische Führungsschicht Siebenbürgens. Das wird historisch in dem Fall sogar stimmen. Der Film schafft nichts Neues, verstärkt aber die rumänische Sicht der Dinge: Einerseits wird Europa vor den Türken verteidigt, andererseits ist auf Europa kein Verlass. Und wenn man Pech hat, wird man auch noch verraten. Die außenpolitischen Alleingänge in der kommunistischen Zeit sowie der Wunsch nach Unabhängigkeit von ausländischen Kreditgebern lassen sich dadurch erklären.

Der historische Mihai Viteazul gilt deshalb als so bedeutend, weil er es geschafft hat (wenn auch nur für kurze Zeit), die Fürstentümer Walachei, Moldau und Siebenbürgen zu vereinigen. Nachdem Siebenbürgen (und noch einiges mehr) nach dem 1. Weltkrieg tatsächlich zu Rumänien kam, galt Mihai Viteazul dafür als historische Legitimation. Wer in die rumänischen Städte geht, wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein Denkmal von Mihai Viteazul sehen. An seiner eigentümlichen Kopfbedeckung erkennt man ihn sofort.

Schön, dass es „Mihai Viteazul“ überhaupt als DVD zu kaufen gibt. Ärgerlich ist hingegen sein Titel: „Die Kreuzritter – Der Kampf der Könige“. Auf dem Cover heisst es dann noch „Die Kreuzritter – Die Macht der Kreuzzüge“: Der Film hat weder was mit Kreuzrittern noch mit Kreuzzügen zu tun und es kommt nur ein einziger König vor.

Auf YouTube gibt's den ganzen Film im rumänischen Original zu sehen:

http://www.youtube.com/watch?v=92vyNrUB8ic

 

 

Zur gleichen Zeit, als die Umbenennung der Stadt in Cluj-Napoca erfolgte, wurde auch das Denkmal von Mihai Viteazul aufgestellt, das wir uns mal etwas näher ansehen wollen. Hier das Siegel von Mihai Viteazul. In die heutige Umgangssprache übersetzt heisst das „Herrscher der Walachei, Siebenbürgens und des ganzen Landes der Moldau“. Was daran interessant ist, ist „das ganze Land der Moldau“ – also auch die nördliche Bukowina und Moldawien, in den 1970ern zur Sowjetunion zugehörig und heute zur Ukraine (die nördliche Bukowina, siehe mein Bericht über Czernowitz) bzw. als Republik Moldau. Mit diesem Denkmal untermauert Rumänien nicht nur seinen Anspruch auf Siebenbürgen, sondern auch auf die „ganze“ Moldau.

 

 

Weiter geht es mit den folgenden Darstellungen: Mit dem Wappen der Walachei (Adler) wird der Kampf gegen die Türken dargestellt. Die Heerführer der Moldau (Wappen mit dem Auerochsen) übergeben Mihai Viteazul das Szepter des Landes. Die Szene mit dem dakischen Wappen (Löwen) ist wohl so zu interpretieren, dass Mihai Viteazul die Herrschaft über Dakien angeboten wird – also über die drei Fürstentümer Walachei, Moldau, Siebenbürgen und sogar noch etwas mehr.

 

 

In die gleiche Zeit fällt das Denkmal von Starina Novak, einem serbischen Haudegen, der in Rumänien als Baba Novac bekannt ist. Das Denkmal steht bei der Schneiderbastei, einer mittelalterlichen Verteidigungsanlage, vor der die Leichen der zum Tode Verurteilten nach der Exekution zur Schau gestellt wurden. Auf dem Denkmal steht: "Baba Novac, Heerführer Michaels des Tapferen, der von den Ungarn unter grausamen Qualen am 6. Februar 1601 ermordet wurde." Man beachte das „von den Ungarn“. Drunter steht: "Dieses Denkmal wurde 1975 zur Ehrung seines Andenkens errichtet" Zur Ehrung von Baba Novac ist hier der Link zum Lied „Baba Novac“ der legendären rumänischen Rockband „Phoenix“: http://www.youtube.com/watch?v=kLBtpCoEM7k

 

 

 

Die Kommunisten haben schon ordentlich auf der nationalistischen Klaviatur gespielt. Eines muss man ihnen aber zugute halten: Auswüchse gegenüber anderen in Rumänien lebenden Völkern wurden sofort im Keim erstickt. Nach deren Ende ging’s dann aber so richtig los: Zwischen 1992 und 2004 hatte Cluj mit Gheorghe Funar einen nationalistischen Bürgermeister, der Bänke, Mülleimer und Laternenmasten in den rumänischen Farben anstreichen ließ. Selbst die Weihnachtsbeleuchtung bestand ausschließlich aus diesen Farben (rot, gelb, blau). Und wir bekommen jetzt ein neues Denkmal, das Avram Iancu ehrt. Avram Iancu war einer der Anführer der rumänischen Bewegung während der Revolution von 1848/49 in Siebenbürgen. Er kämpfte mit österreichischer Unterstützung gegen den ungarischen antihabsburgischen Aufstand. Es handelt sich hier also nicht nur um ein pro-rumänisches, sondern auch um ein anti-ungarisches Denkmal.

 

 

 

Streit gab es auch um das Denkmal von Matthias Corvinus, das seit 1902 mit ungarischem Wappen und ungarischer Inschrift „Mátyás Király“ vor der Michaels-Kirche stand. 1945 wurde das ungarische Wappen entfernt und das lateinische „Mathias Rex“ angebracht. Und Anfang der 1990er ließ unser nationalistischer Bürgermeister die lateinische Inschrift durch die rumänische „Matei Corvin“ ersetzen. Nach der Restaurierung des Denkmals steht seit 2011 wieder die lateinische Inschrift.

 

  

 

Dauerhafteren Erfolg hatte der Bürgermeister bei der Tafel am Geburtshaus von Matthias Corvinus. Hier die Übersetzung: „Dies ist das Geburtshaus von Matthias Corvinus, der Sohn des großen Fürsten Siebenbürgens und Herrscher Ungarns, Iancu von Hunedoara. Der Rumäne Matthias Corvinus wird als größter aller ungarischen Könige angesehen auf Grund der Erfolge während seiner Herrschaft 1458 -1490“ Wer glaubt, "der Rumäne Matthias Corvinus" sei als Provokation gedacht, wird sehr wahrscheinlich richtig liegen. (wem das bekannt vorkommt: diese Passage hatte ich schon am Ende vom Bericht über Hunedoara erwähnt)

 

  

 

Und was sagen die Ungarn dazu? Interessant ist, was Dagobert Lindlau zum „Systematisierungsprogramm“ sagt, das 7.000 Dörfer platt machen sollte und die Bewohner in 500 „agroindustrielle Zentren“ ziehen sollten. Was davon zu halten ist – nämlich gar nichts, beschreibt sehr schön Dagobert Lindlau ausführlich in seinem Buch „Reporter“ und kurz auf seiner Homepage http://www.dagobert-lindlau.com/

Lindlau, ehemaliger Chefreporter des Bayerischen Rundfunks und Moderator des „Weltspiegels“, besucht tatsächlich die angeblich betroffenen Dörfer. Und da war nichts, gar nichts. Die Meldung, die monatelang um die Welt ging, war reine Propaganda. Lindlau vermutet dahinter die ungarische Regierung und die rumänischen Dissidenten.“ Und Lindlau wird sogar noch deutlicher: „Ungarn hatte eine Chance für seine Begehrlichkeiten in Bezug auf Siebenbürgen gewittert, das Gesetz über die „Systematisierung“ aber erst 14 Jahre nach dessen Inkrafttreten hochgespielt und ausgebeutet. Und die gesamte westliche Presse fiel darauf herein.“ Es geht hier übrigens um das Jahr 1988 und die entscheidenden Worte waren „Begehrlichkeiten in Bezug auf Siebenbürgen“. Die ungarische Regierung mischt sich massiv in rumänische Angelegenheiten ein wie beim Referendum zur Absetzung des rumänischen Staatspräsidenten Traian Basescu im Sommer 2012. Das scheiterte, nachdem die notwendige Wahlbeteiligung von 50% knapp verfehlt wurde. Ausschlag gebend war der Aufruf des ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán, die in Rumänien lebenden Ungarn sollten dem Referendum fern bleiben. Hier verweise ich gerne auf den entsprechenden Artikel im „Pester Lloyd“, in dem auch die Rolle der ungarischen Parteien in Rumänien aufgeführt wird: http://www.pesterlloyd.net/html/1231basescurohu.html

Mittlerweile ist auch klar, dass die ungarische Regierung seit den 1970ern den Sturz von Nicolae Ceausescu voran getrieben hat und zu einem Großteil der rumänischen Wirtschaftskrise in den 1980ern zeichnet

Deutlich wird das in der Dokumentation zu Ceausescu-Sturz „Schachmatt - Strategie einer Revolution oder Fallstudie amerikanischer Politik“ von Susanne Brandstätter, indem unter anderem der damalige ungarische Ministerpräsident Miklos Nemeth auftritt.

https://www.youtube.com/watch?v=m7BEenUr6ZQ

Und was sagt das „normale Volk“ dazu? Da, wo gegenseitige Kontakte da sind, ist das Verhältnis meistens sogar recht gut. Ansonsten eher nicht. Wenn man auf rumänische Foren oder Communities geht, wird man schnell feststellen, dass sich Rumänen untereinander oft und gern streiten. Da geht es schon mal recht hitzig zu und so ziemlich die übelste Beschimpfung lautet „Du bist ein Ungar!“, meistens noch mit einem unschönen Adjektiv ergänzt.

 

Michaelskirche

Nun aber in die Stadt. Nicht weit von unserer Pension entfernt und das erste, was wir sehen, ist der Einheitsplatz mit der Michaelskirche und dem Reiterstandbild von Matthias Corvinus.

 

  

 

Innen drinnen überrascht uns eine Seitenkapelle, in der unter einem Kruzifix Kränze mit Bändern in den ungarischen Landesfarben liegen. Nichts deutet darauf hin, dass in diesem Raum das Grab eines bedeutenden Ungarn sein könnte. Ich gehe eher davon aus, dass sich hier ein Raum für die allgemeinen ungarischen Bitten befindet.

 

  

 

Was noch auffällt, ist eine alte Orgel, die da eher unpassend wirkt. Ich hab‘ tatsächlich raus gekriegt, dass diese Orgel mal in Vard stand und jetzt in Cluj ihr Asyl gefunden hat. Wer sich näher dafür interessiert: Es gibt eine rührige „Orgeldatei der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien“. Hier der Link dazu: http://orgeldatei.evang.ro/organ/view/726

 

  

 

Neben der Kirche steht ein Denkmal von Aron Marton (1896-1980), ehemaliger Bischof von Siebenbürgen. Im selben Jahr (1938), als er Bischof wurde (mit Sitz in Alba Iulia), kritisierte er auch die Kriegsvorbereitungen, die im Vorfeld des 2. Weltkrieg geführt wurden.. 1944 war er zu Besuch in der Michaelskirche in Cluj, wo er die Vorbereitungen zur Deportation der Juden verurteilte. Bei Regierung und Behörden setzte er sich für sie ein, so dass er nach seinem Tod vom Yad Vashem-Institut den Titel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen bekam. So ein streitbarer Mensch legt sich natürlich auch mit den Kommunisten an, von denen er viele Jahre unter Hausarrest gestellt wurde. Seiner Popularität beim Volk tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil: Da Marton zu populär und nicht zum Schweigen zu kriegen war, musste er wieder in Hausarrest.

 

  

 

Museumsplatz

Der Museumsplatz ist ein kleiner verkehrsfreier Platz mit Bäumen, Bänken und Cafés. Hier befinden sich das Geschichts- und das Höhlenmuseum (beide werden gerade restauriert) und das Ethnografische Museum (da wollten wir nicht rein). Hier steht das Geburtshaus von Matthias Corvinus und hier steht ein Obelisk, der an den Besuch von Kaiser Franz I. im Jahre 1817 erinnert.

 

  

 

Hier steht auch die Franziskanerkirche, die im 13. Jahrhundert gebaut und im 18. Jahrhundert von den Franziskanern übernommen wurde. 1949 wurde der Orden von den Sozialisten aufgelöst und 1990 ging die Kirche wieder in den Besitz der Franziskaner über.

 

  

 

Nicht weit davon entfernt steht das Antikommunismus-Denkmal. Interessant ist das Kreuz auf dem Denkmal.

 

  

 

In einem nahen Park befindet sich ein Denkmal, das an den Einmarsch der Staaten des Warschauer Paktes in Ungarn im Jahre 1956 erinnert (Rumänien hatte sich daran nicht beteiligt). Beim Denkmal handelt es sich um eine Drehtür, die eine Gefängniszelle darstellt.

 

  

 

Wir kommen am Hauptgebäude der Babes-Bolyai-Universität vorbei. Sie ist benannt nach dem Rumänien Victor Babes (1854-1926), der Arzt, Biologe und Bakteriologe war und nach dem die Infektionskrankheit Babesiose benannt ist. Der zweite Namensgeber ist der ungarische Mathematiker János Bolyai (1802-1860). Nach beiden war die jeweilige Universität in rumänischer bzw. ungarischer Sprache benannt. Seit dem Zusammenschluss zu einer Universität im Jahre 1959 heisst die Hochschule kurzerhand Babes-Bolyai-Universität. Wg. der Qualität der Uni und der lebhaften studentischen Szene ist ein Studienplatz hier sehr begehrt.

 

  

 

... und hier noch ein paar ältere Gebäude der Stadt, an denen wir vorüber kommen:

 

  

 

Orthodoxe Kathedrale

Nach dem Anschluss von Siebenbürgen musste natürlich hier im ungarischen Zentrum eine repräsentative Kathedrale für die Rumänisch-Orthodoxe Kirche gebaut werden. Hinter der Kathedrale steht heute das Kriegerdenkmal mit der Inschrift „Ruhm den rumänischen Soldaten“ und davor das schon vorher erwähnte Avram-Iancu-Denkmal.

 

  

 

Im Inneren der Kathedrale sind vor allem die Mosaiken aus venezianischem Murano-Glas beeindruckend.

 

 

 

Nationaltheater

Gleich gegenüber der Kathedrale steht der Jugendstilbau des Nationaltheaters, das Musen im Triumphwagen krönen.

 

 

 

Vor dem Theater sind zwei Denkmäler aufgestellt. Das eine zeigt den Nationaldichter Mihai Eminescu. Das andere zeigt Lucian Blaga (1895-1961). Bei Wikipedia steht unter anderem, dass er im diplomatischen Dienst tätig war, dass er als Professor für Literatur und Philosophie auch in Cluj wirkte und 1948 von den Kommunisten entlassen wurde, die auch dafür sorgten, dass er bis 1960 keine eigenen Texte veröffentlichen durfte. 1956 war er für den Nobelpreis für Literatur nominiert, wogegen die rumänische Regierung jedoch Protest einlegte. Gegner der Kommunisten zu sein, hört sich auf den ersten Blick nicht so schlecht an. Was allerdings das deutsche Wikipedia verschweigt, steht im rumänischen Wikipedia: Blaga stand der „Legion des Erzengels Michael“ bzw. der „Eisernen Garde“ nahe, einer faschistischen Gruppe übelster Art. Im Bericht „Königliches Sinaia“ hatte ich die schon mal erwähnt, als sie im dortigen Bahnhof im Jahre 1933 den rumänischen Premierminister Ion G. Duca ermordeten. Lucian Blaga hat gerne mal in Mythos, Religion, Volk, Blut und Boden geschwelgt. Sein bekanntestes Gedicht beginnt mit „Ich zerstöre nicht mit meinen Fragen das Diadem der Wunder dieser Welt …“ und so geht es dann weiter. Wahre Erkenntnis kommt für ihn nicht aus logischem Denken, sondern aus spiritueller Kontemplation: Man soll das Mystische nicht durch Logik kaputt machen. Was ich von so einem halte, kann man sich denken. Spätestens seit den 1970ern steht Blaga wieder in den Schulbüchern. In der kommunistischen Zeit wurde seine Haltung (abgesehen vom Politischen) nicht kritisiert, sondern als damalige Zeitströmung dargestellt. In der heutigen Zeit passt er nahezu perfekt zum aktuell vorherrschenden Zeitgeist und vor allem zur rumänischen „Volksseele“.

 

 

 

Reformierte Kirche

Die bedeutende Statue „Der Heilige Georg tötet den Drachen“ stammt aus dem Jahr 1373 und wurde von den wichtigsten Bildhauern des 14. Jahrhunderts erschaffen, nämlich den Brüdern Georg und Martin von Klausenburg. Das Original steht auf dem Prager Hradschin, die um 1900 gefertigte Kopie steht vor der Reformierten Kirche in Cluj.

 

 

 

In der Kirche wird Ungarisch gesprochen und es ist gerade eine ungarische Reisegruppe anwesend. Was hier auffällig ist, sind die vielen historischen Wappen, die wohl die Funktion von „Todesanzeigen“ hatten. Hier mal ein paar davon im Bild.

 

 

 

Griechisch-Katholische Kirche

Und hier ist die griechisch-katholische Kirche. Die Institution der griechisch-katholischen Kirche (auch unierte Kirche genannt) wurde im Jahre 1700 geschaffen, als Habsburg die Herrschaft über Siebenbürgen übernahm. Im Gegensatz zur rumänisch-orthodoxen Kirche war die griechisch-katholische Kirche mit der „normalen“ katholischen Kirche gleichberechtigt und es gab soziale und materielle Verbesserungen. Diese Abspaltung der orthodoxen Kirche behielt die orthodoxe Liturgie bei und anerkannte den Papst als Oberhaupt. 1948 verboten und enteigneten die Kommunisten die griechisch-katholische Kirche zugunsten der rumänisch-orthodoxen. Nach 1989 versuchte die griechisch-katholische Kirche gegen den Widerstand der orthodoxen Kirche, ihre Kirchen und Ländereien zurückzuerhalten.

 

 

 

Dass es der griechisch-katholischen Kirche aktuell nicht schlecht geht, zeigt das Werbeplakat zum Spenden für die neue Kathedrale. Der Neubau wird den Namen „Kathedrale der Märtyrer und der Bekenner des 20. Jahrhunderts“ erhalten.

 

 

 

Und hier spaßeshalber der Link zum geplanten Neubau der Kathedrale der Rumänisch-Orthodoxen Kirche in Bukarest gegeben. Weil das so schön ist, stelle ich ihn hier noch mal rein. Unbedingt ansehen! http://www.dailymotion.com/video/xli8kh_tur-virtual-al-catedralei-mantuirii-neamului_shortfilms

 

Nationales Kunstmuseum

Zum Schluss besuchen wir noch das Nationale Kunstmuseum. Die Lichtverhältnisse sind für Fotografien gar nicht gut, aber immerhin war erlaubt, zu fotografieren. Eines der ersten Bilder, die mir gefallen, ist ein Selbstporträt von Szathmani Gati Istvan. Außer, dass er im 19. Jahrhundert lebte und ein lustiger Zeitgenosse gewesen sein muss, ist mir nichts über ihn bekannt.

 

 

 

Nicolae Grigorescu (1838-1907) gilt als der rumänische Nationalmaler. Seine Werke beschäftigen sich hauptsächlich mit dem bäuerlichen Leben.

 

 

 

Hier sind zwei Werke von Stefan Luchian (1868-1916). Ich hätte gerne Werke von weiteren Künstlern vorgestellt, aber bei den Lichtverhältnissen habe ich entweder keine Fotos gemacht oder die Ergebnisse sind nicht vorzeigbar. Immerhin sind einige Bilder auf der Homepage des Museums zu sehen: http://www.macluj.ro/

 

 

 

Wir gehen wieder in Richtung Museumsplatz. Dort und in den angrenzenden Seitenstraßen gibt es viele Straßencafés, wo wir den Abend in dieser spannenden Stadt ausklingen lassen.