Pauschalreisen nach Rumänien umfassen meistens Siebenbürgen, die Moldauklöster und eventuell noch das Donaudelta. Meine Freundin, die aus dem Banat stammt, meint, da müsste es doch viel mehr geben. Tatsächlich: Es gibt genug zu sehen, Straßen, Hotels und Gastronomie sind sehr gut und auch für Gruppen geeignet. Hier mal unsere Tour durch Oltenien.

 

Die Walachei ist durch den Fluss Olt geteilt in die Große Walachei (Muntenien) und die Kleine Walachei (Oltenien). Und wir fahren erst mal durch Oltenien. Innerhalb Rumäniens gilt die Region als rückständig und die Oltenen als Witzfiguren. Diesen Eindruck haben wir ganz und gar nicht gehabt. Wir haben eine kulturell und landschaftlich reiche Region erlebt, mit den dortigen Menschen keine Probleme gehabt und vom Materiellen her war dieser Landstrich zumindest reicher als etwa Muntenien oder die Dobrudscha.

 

Donaudurchbruch

 

Kommend aus dem Banat, erreichen wir einen der spektakulärsten Flussdurchbrüche Europas am Beginn Olteniens. Am gut 7 Kilometer langen Donau-Abschnitt ragen die Karpaten steil empor und spiegeln sich in den Fluten des Flusses. Das interessiert uns momentan aber nur am Rande. Erst mal suchen wir unsere Pension, die malerisch an der Donau liegt und die wir abends erreichen. Wir erkundigen uns gleich nach einer Bootstour und sind nervös, da die Boote laut Reiseführer mehrere Wochen vorher gebucht werden sollten. Für den Juli scheint das aber nicht zu gelten – wir sind die einzigen, die mit dem Boot fahren wollen. Ob wir wirklich wollen – das Boot kostet 50 EUR für 3 Stunden Fahrt, egal ob eine Person mitfährt oder 6 Personen. Ja, wir wollen! Und die Fahrt hat sich gelohnt. Anbei ein paar Bilder dazu.

 

 

Er ist gut von der Straße aus zu sehen, aber noch besser vom Boot: der 40 Meter hohe Kopf des Daker-Königs Decebal, den ein rumänischer Geschäftsmann in den Stein hauen ließ. In den meisten Reiseführern steht, dass Decebal auf die von seinem militärischen Widersacher, dem römischen Kaiser Traian, erbaute Tafel blickt. Dem ist nicht so. Beide stehen an unterschiedlichen Stellen.

 

 

„Der Sohn des göttlichen Nerva und regierender Kaiser, Nerva Traianus Augustus Germanicus, Pontifex Maximus, zum vierten Male Inhaber der tribunizischen Gewalt, Vater des Vaterlandes und Konsul, hat Gebirge und Strom überwunden und diese Straße gebaut“, so die Inschrift der Tabula Traiana, die zu Beginn des 2. Jahrhunderts hier errichtet wurde. Mit dem Bau des Staudammes wurde die Tafel 1972 höher gesetzt.

 

 

Orsova

 

Mit dem Bau des Staudammes wurde die alte Stadt Orsova 1970 geflutet und die Bewohner wurden ins neu erbaute Orsova umgesiedelt. Aus dieser Zeit stammt auch die interessante Kirche, die für die deutsche katholische Gemeinde gebaut wurde. Wir konnten zwar in die Kirche, aber innen drinnen war leider abgeschlossen, so dass wir die Räumlichkeiten nicht näher untersuchen konnten.

 

 

Über der Stadt liegt ein Kloster, das in den 1930ern von einem Journalisten gegründet wurde, der im 1. Weltkrieg eine Bombenexplosion überlebt hatte. Geweiht wurde das Kloster erst 1990. Wie alle Klöster, die wir im Verlauf unserer Reise besuchen sollten, war das Kloster sehr, sehr schön.

 

 

Turnu-Severin

 

Zwischen Orsova und Craiova wird ordentlich Straße gebaut. Das ist zwar gut und notwendig, beschert dem Autofahrer aber viele Baustellen. Zwischen drin liegt Drobeta-Severin. Zuerst fahren wir zum Kunstmuseum, das von außen wie von innen ansprechend aussieht. Die Renovierung ist aber noch nicht ganz abgeschlossen, so dass wir gleich wieder verabschiedet werden. Unser eigentliches Ziel ist aber der archäologische Park mit den Überresten der Trajans-Brücke und dem sich anschließenden Museum. Zu unserer Enttäuschung ist die Renovierung des Museums auch noch nicht abgeschlossen, scheint aber richtig groß zu werden. Für ein Trinkgeld, „um sich einen Saft kaufen zu können“ lässt uns der Wärter wenigstens auf das Gelände. Wir haben sie gesehen, aber erhebend war der Anblick nun wahrlich nicht: Die Reste der mit 1.135 Meter ehemals längsten Brücke der Antike sind nur noch kümmerlich. Immerhin ist bekannt, wie sie ausgesehen hat, da sie auf der Trajanssäule in Rom abgebildet ist.

 

 

Craiova

 

In Craiova hatten wir übers Internet eine Pension im Stadtzentrum gebucht. Die wussten aber nichts davon und waren ausgebucht. Na toll. Aber die nette Dame an der Rezeption hat bei anderen Pensionen und Hotels angerufen und uns ein Zimmer in einem sehr guten Hotel am Stadtrand vermittelt. Gut, wir waren mit dem Auto da, konnten die wütenden Straßenhunde, die uns in der Nähe des Hotels verfolgten, abschütteln und fuhren zurück ins Zentrum. Und waren positiv überrascht von großstädtischen Boulevards, imposanten alten Gebäuden und einem überaus lebendigen Zentrum.

 

 

Das Bild ist nicht so besonders, aber auf den Dargestellten wollte ich etwas näher eingehen: Hier handelt es sich um Alexandru Ioan Cuza (1820 – 1873), der sich 1859 erst vom moldauischen, dann vom walachischen Parlament zum Fürsten wählen ließ und die vereinigten Fürstentümer 1862 zum Staat Rumänien zusammenschloss. Er nutzte die Gunst der Stunde (der Krimkrieg schwächte sowohl Russland als auch die Türkei, die noch die Oberhoheit über die beiden rumänischen Kernstaaten hatte) und schaffte es tatsächlich auf diplomatischem Wege, dass der neue Staat Rumänien außenpolitisch anerkannt wurde. Innenpolitisch wollte er das Land mit einem strikten Reformkurs modernisieren. Was natürlich Gegner hervorruft, vor allem die mächtigen Großgrundbesitzer Kirche und Adel. Er wurde schließlich abgesetzt und eine ausländische Dynastie bildete nun das Fürsten-, später das Königsgeschlecht der Rumänen: Hohenzollern-Sigmaringen. Cuza ging ins Exil nach Heidelberg, wo er auch starb. Dort gibt es eine rührige Alexandru Ioan Cuza-Gesellschaft, die 2011 eine Büste von ihm im Heidelberger Stadtgarten aufstellen ließ. Auf Grund seiner Bedeutung für Rumänien sollte man meinen, dass es dort viele Denkmäler von ihm gibt. Dem ist aber nicht so. Das Denkmal in Craiova ist eines von nur wenigen, die wir bislang von ihm gesehen haben.

 

 

Am nächsten Morgen besichtigen wir die Kirche Madonna Dudu (= Maulbeerbaum) und wollen noch ins gegenüber liegende Geschichtsmuseum, dessen Renovierung aber genau so wenig abgeschlossen ist wie die des Kunstmuseums, das unter anderem wertvolle Objekte von Constantin Brancusi sein eigen nennen kann, der einstmals hier in Craiova Kunst studierte.

 

 

Schließlich fahren wir zur schönen Dumitru-Kirche und verlassen danach Craiova.

 

 

Kloster Tismana

 

„Ohne Gleichen, nicht in diesem Land und nicht in einem anderen“, schwärmte der syrische Chronist Paul von Aleppo über das Kloster Tismana im 17. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert errichtete der Mönch Nicodim vom Berg Athos dieses Kloster nahe an der Grenze zum Banat: Eine bedeutende Stätte der Orthodoxie sollte das drohende Vordringen des Katholizismus verhindern. Das erste Buch der Walachei stammt von Nicodim, aber bald nach seinem Tod verfiel das Kloster und wurde erst Anfang des 16. Jahrhunderts wieder errichtet. 1821 war Tismana ein Revolutionszentrum im Kampf gegen die Fanarioten (vom Sultan eingesetzte griechische Statthalter) und 1944 versteckte die Nationalbank 245 Tonnen Gold vor den Sowjets in einer Grotte in der Nähe des Klosters.

 

 

Das Innere der Klosterkirche wurde leider gerade restauriert. Dafür war die lang gezogene Vorhalle zu besichtigen, in der es meine geliebten Teufelchen gab und es auch sonst ausgesprochen blutrünstig zuging.

 

 

... und hier mal ein Bild vom Einfahren der Heuernte:

 

 

Bildhauer Constantin Brancusi

 

Constantin Brancusi wurde 1876 in Hobita geboren, riss 1887 von zu Hause aus und lernte, arbeitete und studierte bis 1903 vor allem im Bereich Bildhauerei. Die hauptsächlichsten Stationen waren Targu Jiu, Craiova und Bukarest. Von dort aus wanderte er zu Fuß (!) nach Paris, studiert hier weiter und trifft auf Auguste Rodin, der ihn maßgeblich beeinflusst. Hier in Paris stirbt er schließlich im Jahr 1957. Brancusi bevorzugte Grundformen, zu denen er durch Reduktion von Naturformen gelangte. Sie hatten für ihn den Stellenwert der Konzentration des Ausdrucks in höchstem Maße und der Symbolbedeutung. Er zählt zu den bedeutendsten Bildhauern der Moderne. Sein Werk übte einen starken Einfluss auf den modernen Formbegriff in Bildhauerei, Malerei und Industriedesign aus. Sein bedeutendstes Werk ist in Targu Jiu zu sehen: Ein völlig unkriegerisches Kriegsdenkmal aus dem Jahr 1937, bestehend aus drei Großskulpturen, die in Rumänien jedes Kind kennt. Nachdem die Kommunisten an der Regierung waren, fanden sie erst mal seine Werke als bürgerlich. Das hat sich aber schnell geändert. Ich weiss nicht, wie schnell, weiss aber, dass spätestens Anfang der 1970er Jahre Brancusi im Kunstunterricht gelehrt wurde. Damals wie heute gelten seine Werke nicht als Kunst im engeren Sinn, sondern als nationale Institution und rumänisches Kulturerbe. Und das nicht nur bei Kunstsachverständigen, sondern auch bei solchen Leuten, die mit Kunst ansonsten nichts am Hut haben. Aus dem Jahr 1980 stammt das damals populäre Lied "Es schneit auf den Tisch des Schweigens". Anbei der Link zum Angucken: http://www.youtube.com/watch?v=FfMnCsGx_w0

 

 

Hobita

 

Im Dorf Hobita steht das Haus, in dem der Bildhauer Constantin Brancusi seine Kindheit verbrachte. Erst mal stehen wir vor verschlossenem Tor. Macht nichts, von außen können wir schon genug sehen und schon am Eingangstor wird deutlich, dass auch ein Brancusi nicht ganz vom Himmel gefallen ist, sondern seine Wurzeln in der traditionellen walachischen Schnitzkunst hat. Mittlerweile hat uns die Aufseherin entdeckt, die gerade auf einen Schwatz bei der Nachbarin war, „weil ja doch keiner kommt“. Macht nichts; sie schließt uns auf und lässt uns in die Gebäude. Drinnen gibt’s das zu sehen, was von bäuerlichen Häusern von vor 100 Jahren halt so erwartet wird. Wer sich für Brancusi interessiert, für den wird sich ein Besuch in Hobita lohnen, für alle anderen lohnt sich das nicht.

 

 

Sodoholului-Schlucht

 

In der nahen Sodoholului-Schlucht machen wir einen kleinen Spaziergang, picknicken, schauen uns die Landschaft sowie Schafe und Ziegen an und wundern uns über die Schäferhunde: Als Fußgänger haben die uns freundlich angeschaut, aber auf dem Rückweg mit dem Auto waren die auf einmal äußerst wütend und haben uns kurz neben dem Auto verfolgt. Also sind die so vom Schäfer dressiert, dass Gefahr für die Schafherde (sprich: Diebstahl der Schafe) vom Auto kommt und die Autos attackieren. Damit ist das Verhalten der Hundemeute in Craiova (und später noch in der Dobrudscha) klar: Es handelt sich um ehemalige Schäferhunde.

 

 

Targu Jiu

 

In Targu Jiu haben wir unsere erste städtische Pension und sind sehr zufrieden damit. Zumal man im Restaurant mit seinem geöffneten Biergarten sehr gut essen kann. Bei der Gelegenheit lohnt sich ein Blick darauf, was Rumänen überhaupt so essen. Aber erst mal zu Targu Jiu: Hier leisteten im Jahr 1916 Zivilisten und Armee erfolgreich Widerstand gegen die deutschen Truppen. Das ist für uns insoweit von Interesse, als die Frauenliga von Gorj ein Denkmal von Constantin Brancusi für dieses Ereignis haben wollte. 1938 war das dreiteilige Ensemble fertig mit der Botschaft Liebe, Frieden, Bescheidenheit. Die Stadt Targu Jiu ist sehr stolz auf dieses Ensemble und die „Endlose Säule“ ist sogar Teil des Stadtwappens. Die Skulpturen sind frei zugänglich und sind sogar nachts beleuchtet. Da unsere Pension in der Nähe des Stadtparks mit zweien der Skulpturen liegt, laufen wir dahin und stellen fest, dass wir nicht die einzigen sind. Vor allem nicht beim „Tor des Kusses“, das die Idee der großen, prunkvollen Triumphbögen abwandelt und ein einfaches Tor der Liebe darstellt. Man kann sich schon vorstellen, was da passiert: Es wird geküsst. Mal mit, mal ohne Fotograf. Der "Tisch des Schweigens“ ist in der Nähe, aber „Die endlose Säule“ 1,5 km am anderen Ende der Stadt. Wir ziehen es vor, diese Strecke mit dem Auto zurückzulegen. Das Bild mit der Säule bei Nacht ist nicht so besonders; aus dokumentarischen Gründen möchte ich es aber doch zeigen.

 

 

Am nächsten Morgen sehen wir uns die Skulpturen bei Tageslicht an. Zuerst "Die endlose Säule", die "unendlich wie unsere Dankbarkeit für die Helden" sein soll.

 

 

Beim "Tor des Kusses" warten wir geduldig, bis alle fertig geküsst haben. Die Kunst ist hier praktisch zum Anfassen und wird sehr gut von der Bevölkerung angenommen (auch für solche Sachen wie Hochzeitsbilder) - und Eintritt muss auch keiner bezahlt werden.

 

 

Und beim "Tisch des Schweigens" dauert es nicht lange, bis die auf dem Tisch kletternden Kinder sich anderen Dingen zuwenden. An der Stelle möchte ich noch mal auf das Lied "Es schneit auf den Tisch des Schweigens" hinweisen: http://www.youtube.com/watch?v=FfMnCsGx_w0

 

 

Im Kunstmuseum, im Stadtpark und mitten in der Stadt sind Kunstwerke zu sehen, die in der Nachfolge Brancusis entstanden sind.

 

 

Freilichtmuseum Curtisoara

 

Freilichtmuseen sind eigentlich nicht so unser Ding, aber einmal wollten wir uns doch eines anschauen. Im Dorf Curtisoara sind 30 Gebäudekomplexe auf bunten Wiesen verstreut. Vom Herrenhaus über die Holzkirche zum Geräteschuppen war alles zu sehen, was es früher so gab. Die Aufseherin hätte mit uns liebend gerne eine mehr als einstündige Führung gemacht, aber das wäre dann doch zu viel des Guten gewesen. Natürlich besteht Gelegenheit, sich ausgiebig mit der alltäglichen Schnitzkunst an den Gegenständen und Gebäuden zu beschäftigen.

 

 

Die Mutter vom Panflötisten Gheorghe Zamfir stammt aus der Gegend und so gibt es ein Gebäude, in dem an den Künstler erinnert wird.

 

 

Traditionell ist Rumänien ein Land der Imker. Mehr als einmal haben wir Imker ihre Bienenkästen auf den Wagen laden sehen und relativ häufig standen Imker am Wegesrand und haben ihren Honig angeboten. Für uns und als Mitbringsel haben wir solchen (sehr guten) Honig mitgenommen und uns etwas mit dem Imker unterhalten: Ja, die ziehen dauernd um, je nachdem, was gerade blüht und mit der andauernden Hitze sind sie auch nicht glücklich. Wer gerne Honig isst, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit schon rumänischen Honig gegessen, der in großen Mengen exportiert wird. Das beigefügte Bild mit den Bienenkästen auf dem Gelände des Freilichtmuseums ist nicht Welt bewegend, aber es ist das einzige, das ich davon habe.

 

 

... und hier mal ein Bild von unterwegs

 

 

Kloster Polovragi

 

Durch ein geschnitztes Holztor und eine Alle mit Nadelbäumen geht's zum Kloster Polovragi, das über 500 Jahre alt ist.

 

 

Die Klosterkirche wird gerade renoviert, so dass wir nur den Vorraum betreten können.

 

 

Über eine Wiese geht's zu einer Kapelle, die zu unserer freudigen Überraschung im Innern bunt bemalt ist.

 

 

Höhle Polovragi

 

Ein schöner Spazierweg führt vom Kloster zur Höhle. Zumindest, so lange kein Auto vorbei kommt; dann wird man nämlich ordentlich eingestaubt. Die Höhle ist ca. 10 km lang, aber für Besucher sind nur 800 m zugänglich. Die Führung zeigt gleich in der Nähe des Eingangs mit der Taschenlampe die hier heimischen Fledermäuse (Hufeisennasen). Während der Führung gibt's ein Skelett zu sehen, das ein Mönch, der im 16. Jahrhundert in der Höhle hauste, mit schwarzem Rauch gemalt hat.

 

 

Was hier toll ist: Es gibt keinen vorgegebenen Besucherweg, sondern man stapft nach eigenem Gusto an den Stalagmiten vorbei. Der Letzte kriegt eine Taschenlampe in die Hand gedrückt und gut ist.

 

Das ist das Gute am Reiseland Rumänien: Zum einen gibt es noch nicht zu viele Touristen, zum anderen nimmt keiner bestehende Gesetze und Verordnungen so richtig ernst (sofern sie denn existieren). Das ist natürlich nicht im Sinn der Sache, für den seriösen Touristen aber recht angenehm. Ob hier, bei den Schlammvulkanen in der östlichen Walachei oder sonstwo: man kann sich alles in Ruhe und in nächster Nähe ansehen und keiner stört dabei.

 

Kirche Polovragi

 

Außerhalb von Polovragi kommen wir an einer frei stehenden Kirche vorbei und können nicht widerstehen, dort rein zu gucken. Wir sind die einzigen. Allerdings hören wir Pope und Diakon, die hier die Messe feiern und gerade hinter dem Altar sich befinden. Später kommen sie heraus und feiern alleine weiter. Nun gut, haben wir das auch gesehen.

 

 

Horezu

 

Mitten in Horezu kommen wir an einer Kirche vorbei und können auch hier nicht widerstehen, uns die näher anzusehen. Die Teufelchen sind schon im Bericht "Teuflisches Rumänien" zu sehen; hier ist aber noch ein weiteres Bild interessant. Hier die Übersetzung des ersten Teils: "Es weint die Mutter Gottes, weil du betest ohne Kopftuch und in Hosen wie die Männer". Wir wussten, dass in der Orthodoxie Frauen in Hosen nicht so gerne gesehen sind; hier hatten wir es aber schriftlich. Und nachdem in den letzten 20 Jahren die Religiosität bzw. der religiöse Wahn über die Rumänen gekommen ist, kann man am Anteil der Hosen tragenden Frauen sehr leicht erkennen, welche Volksgruppe das nicht mitmacht bzw. eine lockerere Religiosität pflegt: die Ungarn. Das ist kein Scherz. Die Ungarn sind mit ca. 2 Millionen Menschen die größte Minderheit im Land und wer in deren Gebieten sich aufhält, wird sehr schnell den Unterschied bemerken. Das heisst jetzt nicht, dass die Mehrheit der ungarischen Frauen Hosen trägt, aber im Verhältnis deutlich mehr als die rumänischen Frauen.

 

 

In ganz Rumänien ist die Keramik von Horezu bekannt. Vor allem im nahen Dorf Olari scheint jedes Haus mit der Töpferei beschäftigt zu sein. Wer ein schönes Mitbringsel braucht, wird hier mit Sicherheit fündig werden.

 

 

Kloster Horezu

 

Fürst Constantin Brancoveanu ließ Ende des 17. Jahrhunderts das Kloster Horezu erbauen und begründete damit den Brancoveanu-Baustil, auch als rumänische Renaissance bekannt. Bald darauf wurde das Kloster zu einem geistigen und künstlerischen Zentrum, vor allem die Steinmetze haben hier ganze Arbeit geleistet.

 

 

Leider dürfen wir in der Kirche nicht fotografieren, aber im Vorraum gibt es neben meinen geliebten Teufelchen weitere sehr schöne Fresken.

 

 

Überraschenderweise ist es aber möglich, in den historischen Speisesaal zu gehen. Auch hier gibt es schöne Fresken zu sehen.

 

 

Auf einer kleinen Anhöhe liegt der Klosterfriedhof mit einer Kapelle, der wir einen Besuch abstatten.

 

 

Kloster Bistrita

 

Das Kloster Bistrita ist das größte Kloster der Walachei. Wir haben schon viele Klöster in Rumänien gesehen, aber das war der absolute Höhepunkt und wird bis zu unserem Lebensende unvergesslich bleiben.

 

 

Das liegt am heiligen Grigorie, der im 9. Jahrhundert in Kleinasien gelebt hat. 1497 wurden die Gebeine von einem reichen Bojaren gekauft und von Konstantinopel nach Bistrita verfrachtet. Er ist der Schutzheilige der Roma, die ihn zu Tausenden zu Maria Geburt (8. September) um Schutz bitten. Keineswegs wird er aber nur von den Roma hoch verehrt. In unserem Reiseführer stand "Vor dem Schrein des Hl. Grigorie knien Gläubige, Nonnen werfen sich zu Boden oder kauern unter dem Schrein des Heiligen".

 

 

Dem ist aber nicht so. Hier wirft sich keiner zu Boden oder kauert unter dem Schrein des Heiligen - alle krabbeln unten durch. Bei der ersten Dame war ich noch fassungslos. Beim zweiten war ich genauso fassungslos, hab' den aber schnell noch fotografiert. Ich stand immer noch blöd da. Da gerade nichts los war, habe ich dann das Stativ mit der dran montierten Filmkamera in die Mitte des Raums gestellt, auf "Aufnahme" gedrückt und gewartet, was kommen würde. Tatsächlich kamen bald die ersten Opfer, bekreuzigten sich mehrfach vor dem Schrein und krabbelten jeweils 3x unten durch. Dann kam eine junge Frau mit kurzem Röckchen und hohen Absätzen. In einem kurzen Anfall von Boshaftigkeit meinte meine Freundin "die muss auch da unten durch". Nun, sie tat uns den Gefallen. Sinn des Ganzen ist es, vor Krankheit bewahrt bzw. von ihr befreit zu werden. Im deutschsprachigen Raum habe ich das bislang noch nicht dokumentiert gesehen.

 

Hinter dem Kloster geht es zu einer Höhle mit zwei Kirchen, wobei man erst durch den Eingangstunnel kriechen muss. Also nichts für solche Leute wie mich. Na, wenigstens hatte ich eine gute Ausrede. Meine Freundin machte sich auf den Weg und ich schaute mir in der Zwischenzeit die Filmaufnahmen an. Ich war glücklich, dass die Aufnahmen gut geworden sind, freute mich wie ein kleines Kind und war immer noch fassungslos.

 

 

Kloster Govora

 

Idyllisch liegt auch das Kloster Govora, das einstmals eine bedeutende Druckerei hatte, in der 1640 das erste rumänische Gesetzbuch gedruckt wurde.

 

 

Dies ist Maria von Ägypten, die im 4./5. Jahrhundert lebte und über die nur Legenden überliefert sind. Zuerst Prostituierte, dann Heilige - in Rumänien gilt sie als Patronin der Büßenden, deren Bildnis wir öfters in Kirchen gesehen haben.

 

 

Kloster dintr-un lemn

 

Zuguterletzt beenden wir den heutigen Klostertag im Kloster dintr-un lemn ("aus einem Baumstamm"). Es gibt verschiedene Versionen zur Entstehung des Namens. Auf jeden Fall soll ein Mönch, ein Hirte oder ein Eremit eine kleine Kirche aus einem Baumstamm gebaut haben. Der Nachbau steht auf einem kleinen Hügel hinter dem Klosterhof.

 

 

Unter Kriminellen in Ramnicu Valcea

 

Unser Hotel für 2 Nächte lag in Ramnicu Valcea. Das Essen am ersten Abend war in Ordnung, aber am 2. Abend wollten wir in der Stadt essen. Ramnicu Valcea hat zwar über 100.000 Einwohner, aber kein "ordentliches" Stadtzentrum mit Fußgängerzone. Also fahren wir in der Stadt herum auf der Suche nach einer passenden Lokalität und finden schließlich einen "Italiener", der gut aussieht und bei dem man im Freien sitzen kann. Mit der Zeit fallen uns zwei Sachen mehr und mehr auf: Der Parkplatz füllt sich immer mehr mit Edelkarossen und es sind auffallend viele große Frauen mit kleineren Männern an den Tischen. Zu den Frauen: Rumänische Frauen sind selten groß. Wir hatten schon in Temesvar gerätselt, warum die jungen Frauen jetzt auf einmal so groß sind. Sie sind es auch weiterhin nicht bzw. die Frauen, die groß sind, wissen ihren "Marktwert" zu schätzen und sind bevorzugt an jenen Orten zu finden, an denen es die entsprechende Wirtschaftskraft gibt. Vor allem haben sie nichts mit kleineren Männern zu tun - außer die haben viel Geld. Ein paar Wochen später sehen wir in der Fernsehsendung "die story" einen Bericht über Internet-Kriminalität. Und die Hauptstadt dieser Internet-Kriminalität ist ausgerechnet Ramnicu Valcea. Ein Besitzer eines großen örtlichen Autohauses sagte in der Sendung, dass nicht alle, die Luxuskarossen bei ihm kaufen, kriminell seien - aber die meisten. Also saßen wir am damaligen Abend mitten unter Kriminellen.

 

Kloster Cozia

 

Aus strategischen Gründen wurde Ende des 14. Jahrhunderts das Kloster Cozia erbaut, das mit seinen festungsartigen Mauern den Karpatenübergang sichern sollte. Gleichzeitig war es ein kulturelles Zentrum mit Klosterschule, Buchdruck und ab dem 17. Jahrhundert einer griechischen Universität.

 

 

Über die Straße, auf einem kleinen Hügel, liegt die Friedhofskirche, die aber leider geschlossen war.

 

 

Kloster Turnu

 

In einer wildromantischen Schlucht, beidseitig von Felsen eingerahmt, liegt das Kloster Turnu. Im Klosterhof sind noch zwei der Wohnhöhlen zu sehen, in denen im 15./16. Jahrhundert Eremiten lebten. Nach dem Tod der beiden Gründermönche bauten die übrigen Mönche über ihren Gebeinen eine Holzkirche, deren Nachfolgebau aus dem 17. Jahrhundert immer noch steht.

 

 

Vor 100 Jahren wurde dann noch eine größere Kirche gebaut, die zusätzlich eine obere Etage hat, in der früher die Gottesdienste statt fanden (Treppe auf der Rückseite).

 

 

Kloster Schitul Ostrov

 

Den Abend lassen wir schließlich im ersten Nonnenkloster der Walachei ausklingen. Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Kloster wurde 1980 um 6 Meter angehoben, da der direkt daneben fließende Fluss Olt für ein Wasserkraftwerk gestaut wurde.

 

 

Curtea de Arges

 

Heute wollen wir über die Karpaten nach Siebenbürgen. Wir fahren über den Olt und sind damit nicht mehr in Oltenien, sondern in Muntenien, dem zweiten Gebiet der Walachei. Erst mal werfen wir einen Blick in eine Privat-Kapelle mitten auf dem Feld.

 

Wir machen Halt in Curtea de Arges, das im 14. Jahrhundert Sitz des ersten Fürsten der Walachei, Basarab I., wurde. Vom alten Fürstenhof ist außer einigen Kellerfundamenten nur noch die vollständig erhaltene Kirche aus dem 14. Jahrhundert übrig.

 

 

Zwar wurde der Fürstensitz schon um 1400 nach Targoviste verlegt, aber Curtea de Arges behielt seine Bedeutung, denn Fürst Neagoe Basarab vollendete 1517 die beeindruckende Klosterkirche. Gedrehte Türme schrauben sich schwungvoll in die Höhe, Arabesken und Zierbänder, geometrische Motive überziehen die Fassade, filigrane Einfassungen schmücken Fenster und Portale, Licht und Schatten verfangen sich in den feinen Dekorationen. Die überbordende Ornamentik mit orientalischer Note, die kostbare Innenausstattung sowie die Bedeutung als Grablege der rumänischen Könige machen die Klosterkirche zu einem der bedeutendsten Baudenkmäler in ganz Rumänien.

 

 

Jedes rumänische Kind kennt die Legende vom glücklosen Baumeister Manole. Deshalb sei sie auch hier kurz erzählt: Nachdem die tagsüber gemauerten Wände nachts immer wieder einstürzten, hatte er den Traum, dass er die erste Frau, die am nächsten Tag mit Essen für die Handwerker kommt, lebendig einmauern muss, damit der Bau gelingt. Es war seine eigene Frau. Die Frau wurde eingemauert und das Werk glücklich vollendet. Um zu verhindern, dass der Baumeister noch einmal solch ein Werk an anderer Stelle bauen könne, ließ der Fürst Neagoe Basarab das Baugerüst abmontieren, als Manole sich auf dem Dach befand. Mit hölzernen Flügeln versuchte dieser vom Dach zu fliegen – ohne Erfolg. Dies der 2. Teil der Legende.

 

 

Karpaten-Überquerung

 

Jetzt geht’s aber tatsächlich über die Karpaten. Und ist anfangs reichlich unspektakulär. Es geht zwar hoch, aber ringsum sind nur Bäume zu sehen. Bis wir an einen Staudamm kommen. Dummerweise ist gerade Sonntag und der Staudamm wird gerne als Ausflugsziel genutzt. Wir finden erst keinen Parkplatz und müssen ein paar Kilometer weiter fahren, bis wir wenden können. Erneuter Versuch. Es sieht nicht besser aus, aber ein freundlicher Polizist weist uns in eine gerade frei gewordene Parknische ein. Wir laufen vom einen Ende der Staudamm-Brücke zum andern und freuen uns auf den Blick vom Aussichtsturm.

 

 

Idyllisch an einem Gebirgsbach liegt eine Pension, die zum Verweilen einlädt. Und da wir beide eine Vorliebe haben für ausgefallene Sachen, erfreuen wir uns an dem Totempfahl mit Bärchen und Adler.

 

 

Mittlerweile haben wir die Ausblicke, die wir uns erhofft hatten. Die Straße wird spektakulärer und wir fühlen uns ein bisschen wie in den Alpen.

 

 

Direkt nach der Überquerung des Hauptkammes liegt ein malerischer Bergsee. Und an der Straße stehen viele Stände, an denen man alles Essbare probieren und kaufen kann. Uns hat es ein Stand mit Kürtöskalacs angetan, einem ungarischen Baumkuchen. Der wird auf Holzrollen über einem Holzkohlengrill zubereitet und anschließend mit mehr oder weniger süßem Belag bestreut (Zucker, Kokos, Zimt, Sesam ...). Das sieht gut aus und schmeckt sehr gut. Wer in Oltenien unterwegs ist, kann sich „durchfuttern“. Relativ häufig werden Lebensmittel an den Straßenrändern angeboten: Käse, Wurst, Honig, Melonen, selbst gepflückte Beeren. Wir haben den Aufenthalt in Oltenien genossen und mit der Überquerung des Hauptkammes der Karpaten sind wir jetzt in Siebenbürgen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte …