Diesen Satz wird man, wenn nicht wörtlich, so doch sinngemäß, in wahrscheinlich allen Reiseführern über Rumänien lesen. Und ein großer Anbieter von Studienreisen scheut nicht davor zurück, in seiner Reisebeschreibung von „Ceausescus Schergen“ zu schreiben.

Eines immerhin muss man „Ceausescus Schergen“ zugute halten: Die Minderheiten konnten im Schulunterricht bis zum Abitur in ihrer eigenen Sprache unterrichtet werden. Etwa mit der Muttersprache Deutsch ging’s erst mal in den deutschsprachigen Kindergarten und danach in die deutschsprachige Schule. Bis zur 7. Klasse war Deutsch Unterrichtssprache und Rumänisch wurde von der 1. Klasse an als Fremdsprache gelehrt. In der 8. Klasse wurden zusätzlich die Fächer Geographie und Rumänische Geschichte in rumänischer Sprache gelehrt. Danach bis zum Abitur wieder alles auf Deutsch. Deutsch und Rumänisch waren auf jeden Fall Abiturfächer.

Wenn ich mir so anhöre, wie das Leben in den 1970ern abgelaufen ist, muss ich sagen, dass ich im Vergleich zu dem in Deutschland keine großen Unterschiede sehe. In den 1980ern begann dann allerdings der Niedergang. Ich weiss nicht, womit IWF oder Weltbank gedroht hatten. Es muss aber so schlimm gewesen sein, dass die rumänische Regierung beschlossen hatte, sämtliche Auslandsschulden zurück zu zahlen. Vor allem wurde mit Gewalt der Export erhöht. Auch der von Lebensmitteln, die dann im Lande fehlten bzw. die „gestreckt“ wurden. Manchmal fiel die Heizung aus, manchmal Strom, manchmal Wasser. Es war schlimm genug – aber so schlimm, wie es hinterher erzählt wurde, war es auch wieder nicht.

Was wesentlich zum Niedergang beitrug, war die unsägliche Korruption. Für sämtliche Dienstleistungen wurden Gelder oder „Gefälligkeiten“ verlangt. Angefangen beim Friseur, der (unabhängig vom Lohn) Geld für den bloßen Termin will, über Lehrer, die Schülerinnen zum Putzen bei sich zu Hause antreten lassen bis hin zum Diebstahl. Die staatlichen Betriebe wurden vom eigenen Personal beklaut und das Geklaute dann privat verkauft. Und es war bekannt, wer diese Verkäufer waren und woher sie ihre Ware hatten. Auch, wenn es in den staatlichen Läden nichts zu kaufen gab (Ende der 80er Jahre gingen diese Bilder um die Welt) – es war immer genügend da auf dem „privaten Markt“.

Gerne wird erzählt (wie in unserem Reiseführer), dass die Raumtemperatur im Winter 12 Grad nicht überschreiten durfte. Das ist Unfug. Die Heizung fiel ab und zu aus, aber eine Beschränkung auf eine bestimmte Temperatur gab es nicht. Zudem hatten die meisten zusätzliche Gasöfen. Und Holz und Kohle war zumindest so viel vorhanden, um gut über den Winter zu kommen.

Immer dabei ist das „Systematisierungsprogramm“, das 7.000 Dörfer platt machen sollte und die Bewohner in 500 „agroindustrielle Zentren“ ziehen sollten. Was davon zu halten ist – nämlich gar nichts, beschreibt sehr schön Dagobert Lindlau ausführlich in seinem Buch „Reporter“ und kurz auf seiner Homepage http://www.dagobert-lindlau.com/ Lindlau , ehemaliger Chefreporter des Bayerischen Rundfunks und Moderator des „Weltspiegels“, besucht tatsächlich die angeblich betroffenen Dörfer. Und da war nichts, gar nichts. Die Meldung, die monatelang um die Welt ging, war reine Propaganda. Lindlau vermutet dahinter die ungarische Regierung und die rumänischen Dissidenten.

Wer noch an das Gute im Menschen und in den Medien glaubt, der möge dieses Kapitel in Lindlaus Buch lesen. Der wird darin auch erfahren, dass die Ereignisse während der Revolution von 1989 maßlos übertrieben wurden und dass Ceausescus Sturz offensichtlich schon lange vorher geplant war. Sehr deutlich wird das in Susanne Brandstätters Film „Schachmatt - Strategie einer Revolution oder Fallstudie amerikanischer Politik“, in dem deutlich gezeigt wird, wie das sozialistische Rumänien in den wirtschaftlichen Ruin getrieben wird und der Regime-Wechsel in der Praxis durchgeführt wird. Hauptverantwortliche sind die USA und Ungarn: https://www.youtube.com/watch?v=m7BEenUr6ZQ .

Spätestens nach dem Fall der Berliner Mauer war klar, in welche Richtung die Weltpolitik gehen würde. Und diejenigen, die schon im Kommunismus groß abkassiert hatten, sahen jetzt die Chance, an das ganz große Geld zu kommen. Das hat auch wunderbar geklappt. Das Land war schuldenfrei, von der EU flossen Milliarden ins Land und Staatseigentum konnte verkauft werden, natürlich gegen viel Schmiergeld.

Ein Freund von mir hat mit Investitionen zu tun, viele davon in osteuropäischen Ländern. Aber in Rumänien ist die Korruption am dreistesten. Das fängt mit dem „Wunsch“ an, Verwandte zu beschäftigen über die Bevorzugung bestimmter Firmen zu einem bestimmten Preis bis hin zu offenen Geldforderungen. Die rumänischen Partner drängen darauf, darauf einzugehen, weil es ansonsten Scherereien gibt, aber bislang war die Drohung mit einer Anzeige bei der Anti-Korruptionsbehörde in Brüssel immer erfolgreich.

Und der Ton innerhalb der Politik ist ausgesprochen ruppig. Da bezeichnet der Regierungschef Victor Ponta den ehemaligen Bürgermeister von Bukarest, Adriean Videanu, als „Dieb der Diebe“ und der gibt den Gruß gerne zurück (beim Frühstücks-Buffet läuft oft ein Fernseher und da kriegt man solche Sachen mit).

Bis ca. 2010 ist in Sachen Korruptionsbekämpfung so gut wie gar nichts passiert, seitdem scheint es die rumänische Antikorruptionsbehörde ernst zu meinen: 11 Ex-Minister und Staatssekretäre sowie der ehemalige Regierungschef Adrian Nastase sitzen hinter Gitter. Dazu zahlreiche Bürgermeister, Richter, Staatsanwälte und viele weitere. Kein Tag vergeht im Fernsehen, ohne dass nicht gezeigt wird, wie gerade ein Bürgermeister abgeführt wird.

Und die ausführenden Organe, ein Sonderkommando mit vermummten Gesichtern, werden als Volkshelden gefeiert. Es geht voran.